• Abguss-Sammlung Antiker Plastik
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Caligula

Mein Name ist Marian Heiß. Ich studiere Klassische Archäologie an der Freien Universität Berlin und arbeite seit 2016 als Studentische Hilfskraft in der Abguss-Sammlung Antiker Plastik.

Bereits vor meiner festen Anstellung habe ich durch Praktika und Kurse eine tiefe Verbindung zu der Sammlung aufbauen können. Seit Beginn meines Studiums besaß ich ein erhöhtes Interesse an antiken Portraits. Dies lag anfangs vor allem an meiner Faszination für die herausragenden Persönlichkeiten der Antike. Die Möglichkeit, den „Menschen von damals“ ins Gesicht sehen zu können, faszinierte mich. Im Laufe meines Studiums war es dann vor allem ein anderer Aspekt, der die Portraits für mich interessant gemacht hat. Ich lernte, dass die dargestellten Personen nicht unbedingt so ausgesehen haben, wie ihre Portraits sie zeigen. Es ging vor allem darum Werte und Eigenschaften der Dargestellten über die Portraits auszudrücken. Caligula verbindet beide Aspekte meiner Begeisterung in besonderem Maße: Zum einen ist er eine schillernde Persönlichkeit der Antike, die weit über die archäologische und historische Forschung hinaus bekannt ist, zum anderen zeichnen antike Schriftquellen und archäologische Befunde ein besonders divergentes Bild und illustrieren verschiedene Sichten auf den Herrscher. Das Portrait des schönen jungen Mannes steht den antiken Schriftquellen zu Caligulas Aussehen diametral entgegen.

Der römische Historiker Sueton beschreibt Caligula als fettleibig, am ganzen Körper stark behaart, mit Stirnglatze und eingefallenen Augen. Sein Gesicht sei generell widerlich gewesen (Suet. Cal. 50,1). Anders das hier gezeigte Portrait: Caligula erscheint als gutaussehender junger Mann mit vollem Haar. Es treffen daher zwei verschiedene Intentionen aufeinander. Das Portrait des Caligula kam aus dem Umfeld des Kaisers und sollte dessen positive Eigenschaften illustrieren. Das Haar zeigt mit der Gabellocke in der Stirnmitte und der Zangenlocke auf der rechten Stirnseite die dynastische Verbundenheit zu Caligulas Vorgängern an. Das junge Gesicht wirkt klassizistisch und teils idealisiert. Äußeres Ebenmaß galt als Spiegel eines guten Charakters. Das leichte Lächeln vermittelt clementia, die Milde.  Demgegenüber wollte Sueton Caligula viele Jahre nach dessen Tod negativ darstellen. Das Bild des wahnsinnigen Tyrannen war zu diesem Zeitpunkt bereits etabliert und wollte bedient werden. Das hässliche Aussehen Caligulas  spiegele – so Sueton –  dessen Verdorbenheit wider. Er beschreibt ihn mit eingefallenen Augen als äußerliches Zeichen für dessen Wahnsinn. Auch von der Milde des rundplastischen Portraits ist in den Beschreibungen Suetons über die Grausamkeiten Caligulas wenig zu finden.

Wem ist aber nun zu glauben, den offiziellen Portraits oder dem antiken Schriftsteller? Diese Frage ist kaum zu beantworten und vielleicht auch falsch gestellt. Sowohl die offizielle vom Kaiser beeinflusste Kunst als auch die von Senatoren verfassten Berichte verfolgen jeweils eigene Ziele. Während die Portraits sicherlich kein negatives Bild des Herrschers zeichneten, waren es vor allem die Senatoren, welche mit der Regierung Caligulas unzufrieden waren und nach dessen Tod sein Andenken zu schädigen versuchten. Wahrscheinlich war Caligula nicht der kompetenteste Herrscher, jedoch auch kein Monster. Das tatsächliche Aussehen des Kaisers muss daher im Unklaren bleiben, da beide Quellen vor allem Werte und Eigenschaften vermitteln wollen. Für all diejenigen, die sich tiefer mit diesem spannenden Thema befassen wollen, empfehle ich die Lektüre des Buches „Caligula: Eine Biographie“ des Historikers Aloys Winterling.

 

Zum Stück:

Porträtkopf des Caligula (Abguss Berlin  Inv.-Nr.: 81/33)

Das Original befindet sich im Paul Getty Museum, Malibu, USA. Es ist aus Marmor und wird in die Jahre 37 n. Chr. – 41 n. Chr. datiert.

Aktuelle Öffnungszeiten

Donnerstag-Sonntag:

14:00 - 17:00 Uhr

Eintritt frei

Adresse

Abguss-Sammlung Antiker Plastik der Freien Universität Berlin

Schloßstraße 69b

14059 Berlin-Charlottenburg

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