• Abguss-Sammlung Antiker Plastik
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Furchteinflößende Schreckgestalt oder emanzipierte Frauenfigur? In den Mänaden spiegeln sich beide Eigenschaften wider. Als mythische Begleiterinnen des Gottes Dionysos folgen sie ihm in die Berge, um dort im Weinrausch zu tanzen und zu musizieren. Sie begeben sich in einen Zustand der Trance, die Ekstasis (ἔκστασις). In ihrem Wahn zerreißen sie Männer, die sie heimlich bei ihren rituellen Festen beobachtet haben, oder auch wilde Tiere, deren rohes Fleisch sie essen. Das Phänomen der Mänade fasziniert und beängstigt bis in die moderne Zeit.

 

Die 45 cm hohe Marmorstatuette zeigt solch eine Mänade in aufregender Bewegung. Selbstvergessen gibt sich die junge Frau dem wilden Tanz hin. Bogenförmig streckt die Figur ihren Körper mit allen Gliedern, sodass sich das Gewand eng um ihren Torso und das rechte Bein wickelt. Die Falten des Chitons leiten den Blick des Betrachters, der nur im Umschreiten der Figur die ganze Räumlichkeit begreifen kann. Die plastischen Erhebungen der Tracht und die langen Strähnen der Haare erschaffen starke Licht- und Schattenwirkungen. Das ursprünglich sehr expressiv gearbeitete Gesicht der Mänade ist nur noch fragmentarisch erhalten.

Unstimmigkeiten gibt es über die Rekonstruktion der Arme der Figur. Aus einer antiken Überlieferung des Rhetorikers Kallistratos geht hervor, dass die Mänade als Zeichen ihrer Raserei eine tote Ziege schwingt. Verschiedene Rekonstruktionsversuche zeigen die Figur mit einem toten Tier, das sie über die linke Schulter geworfen oder in der Hand des herabhängenden rechten Armes gehalten hat. Die so entstandene Bewegung der Gestalt wirkt jedoch nicht harmonisch. Aus statischen Gründen schwang die Bacchantin die Ziege wohl eher in der gesenkten rechten Hand.

Zwei griechische Epigramme erwähnen den Bildhauer Skopas. Er soll in der Lage gewesen sein, die Skulptur einer rasenden Mänade täuschend echt wirken zu lassen. Der antike Künstler des 4. Jhs. v. Chr. war ein Meister seines Genres. In ihrer stilistischen Ausarbeitung und Entstehungszeit des Originals, etwa 340/30 v. Chr., könnte die Mänade zu den Werken des Skopas passen. Allerdings wurde auch eine spätere Datierung in hellenistische Zeit vorgeschlagen. Das hier gezeigte Objekt ist eine römische Marmorkopie des 1. Jhs. n. Chr. Es geht vermutlich auf ein lebensgroßes, griechisches Werk zurück, welches wohl ein Heiligtum des Gottes Dionysos schmückte.

 

Aktuelle Öffnungszeiten

Donnerstag-Sonntag:

14:00 - 17:00 Uhr

Eintritt frei

Adresse

Abguss-Sammlung Antiker Plastik der Freien Universität Berlin

Schloßstraße 69b

14059 Berlin-Charlottenburg

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